Ab sofort können Sie die Dokumentation der Tagung als PDF herunterladen:
Tagungsdokumentation Ökonomien des Sterbens (PDF, ca. 1,4 MB)

 

Sterben ist heutzutage ein öffentliches und ein  politisches Thema. Allerdings nicht nur in der Weise, wie es sich die Hospizbewegung seit Jahrzehnten wünscht: Wie können schwerstkranke und sterbende Menschen, ihre Angehörigen und ihr Freundeskreis gut begleitet werden? Welcher gesellschaftlichen Anstrengungen bedarf es, um Sterben unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung und Geldbeutel erträglich zu gestalten?

 

Ähnlich wie in anderen Lebensbereichen auch, sollen Vorsorge, Planung, Dienstleistung die allzu menschlichen Befürchtungen zähmen. Der Wunsch, den eigenen Körper kontrollieren, den Alltag mit schwerer Pflegebedürftigkeit vermeiden oder im Griff behalten zu können, wird zumindest in den durch Medien vermittelten Expertengesprächen und politischen Debatten auf gefährliche Bahnen gelenkt. Ärztliche Beihilfe zur Selbsttötung und der tödliche  Behandlungsabbruch via Patientenverfügung oder die „aktive Sterbehilfe“ als  nachfragbare Dienstleistung stehen auf der Agenda.

 

„Selbstbestimmung bis zuletzt“ lautet das Versprechen. Viel wird auch über eine „Apparatemedizin“ gesprochen, die das Sterben nicht mehr zulassen könne. Sehr wenig über soziale Sicherungssysteme, die immer mehr Menschen im Alter und Krankheit unzureichend absichert. Kranksein macht arm, es gefährdet das kleine Erbe für die Angehörigen, überfordert Familien – vor allem Frauen –, die sich gute Pflegebedingungen nicht leisten können und ist mit der Perspektive auf spärliche Renten sehr beängstigend. Diese materiellen Lebens- und Sterbebedingungen gelten nicht selten als „unabänderlich“, obwohl sie politisch und gesellschaftlich zu verändern wären. All das sind wenig beachtete Motive, die verschiedene Dienstleistungsangebote, die das „schnelle Sterben“ unter Vermeidung von langer Pflegebedürftigkeit als eine Art privater Lösung plausibel machen. Die gesundheits- und sozialpolitischen  Unverantwortlichkeiten bleiben unberücksichtigt.


Themen der „Ökonomien des Sterbens“ sind:
Wie wird öffentlich über die verschiedenen Varianten der Sterbehilfe gesprochen? Und was wird verschwiegen? Wie denken Ökonomen über die Pflege nach? Und wie kann die Versorgung Schwerstkranker und Sterbender unter passablen Arbeits- und Lebensbedingungen organisiert und bezahlt werden? Was brauchen Menschen an Zuspruch und sozialer Absicherung am Lebensende?